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„Gute Freundschaft bedeutet alles für mich.“

Die Histo-Couch im Interview mit Catharina Sundberg über Archäologie, historische Figuren und ihre Recherchen

Histo-Couch: Frau Sundberg, mögen Sie das Meer?

Catharina Sundberg: Ich liebe das Meer!

Histo-Couch: Sind Sie schon mal für längere Zeit per Schiff gereist?

Catharina Sundberg: Als Marinearchäologin bin ich täglich mit dem Boot zum Wrack und zur Ausgrabung gefahren. Heute paddle ich ein Kajak.

Histo-Couch: Sie sagen es gerade, Sie sind Archäologin und außerdem Journalistin. Wie beeinflusst das Ihre schriftstellerische Tätigkeit?

Catharina Sundberg: Als Historikerin und Archäologin weiß ich, wo ich nach Fakten suchen muss, was Fakt und was Fiktion und wie man recherchiert. Das hilft. Und als Journalistin nutze ich Methoden in den Bereichen, über die ich schreibe, auf eine Art und Weise, wie ich es nie getan habe, als ich nur Archäologin und Historikerin war. Ich habe viele Dinge herausgefunden, wenn ich auf den Punkt recherchiert habe, die ich anders nie erfahren hätte. Während der Recherche für mein neues Buch „Tempelbranden“ beispielsweise habe ich erkannt, dass ein Mann, der vor 1000 Jahren bekannt war, mächtiger war, als man bisher wusste. Eine normale Wikingerstrasse war 4,5 Meter breit. Die Strasse, die zu seinem Haus führte, war 6,5 Meter breit. Das gab mir einen Anhaltspunkt über seine Rolle im politischen Geschehen der damaligen Zeit. Ich mag diese Detektivarbeit in der Vergangenheit.

Histo-Couch: Haben Sie an manchen Themen oder Orten, über die Sie schreiben, selbst archäologisch gearbeitet?

Catharina Sundberg: Ja, mein erster Roman „The battle against the breakers“ ist eine wahre Geschichte basierend auf einem Schiffstagebuch und dem Ergebnis meiner eigenen archäologischen Ausgrabung an Land und unter Wasser in Australien. Ich habe statt einer wissenschaftlichen Abhandlung einen populären Roman geschrieben, weil ich die Geschichte so aufregend und die Ausgrabungsergebnisse interessant fand.

Histo-Couch: Lassen Sie uns über Ihre Bücher sprechen, die von Stockholm, den Vitalienbrüdern und der Hanse erzählen, der Geschichte von Anne Persdotter und ihren Freunden. Wie kamen Sie auf die Idee?

Catharina Sundberg: Während ich in Gotland bei einer Festung tauchte, hörte ich von ihnen (den Vitalienbrüdern) und wollte mehr über sie herausfinden. Ich fand heraus, dass sie wirklich sehr interessant waren und sehr wichtig in der Geschichte von Schweden, Deutschland, Norwegen und Dänemark. Ich musste einfach über sie schreiben!

Histo-Couch: Reisen Sie zu den Orten, über die Sie schreiben (wie zum Beispiel Lübeck, Konstantinopel etc.)?

Catharina Sundberg: Ja, das ist ein wichtiger Teil der Recherche. Ich war in Lübeck, Konstantinopel, Bergen, Oslo, Hamburg, Wismar, auf Gotland, in Schonen, Venedig und noch mehr.

Histo-Couch: Im letzten der drei Bücher erzählen Sie viel über Störtebeker. Ist es nicht sehr schwierig den Charakter einer historischen Figur nachzuzeichnen? Was ist Fakt und was Fiktion?

Catharina Sundberg: Ich habe versucht, die Gedanken der damaligen Zeit durch Gesetze, Briefe, Bilder, Dokumente aus Archiven und der Forschung auf diesem Gebiet einzufangen. Am Ende eines Buches schreibe ich immer, was ich gemacht habe und wie, so dass die Leser wissen, was auf Fakten beruht und was Fiktion ist. Ich bemühe mich immer, die Geschehnisse so gut wie möglich zu rekonstruieren. Störtebeker ist eine interessante Person, ein starker Charakter seiner Zeit und ihrer politischen Situation.

Histo-Couch: Ihre Figuren entwickeln sich im Laufe der Romane und sind alle sehr unterschiedlich. Haben Sie eine genaue Vorstellung von den Figuren, wenn Sie anfangen zu schreiben?

Catharina Sundberg: Oft, ja. Was Anne betrifft, habe ich sie bewusst als ein Mädchen angelegt, dass von unten beginnt und sich nach oben kämpft – einfach um zu erzählen, wie das Leben für die Armen und für die Reichen ist und wie sie mit den unterschiedlichen Ereignissen Ende des 14. Jahrhunderts in Stockholm, Deutschland und Skandinavien konfrontiert waren. Auch Störtebeker habe ich versucht zu rekonstruieren – ich habe seinen Charakter auf der Basis seines Hintergrundes beschrieben, wo er gelebt hat, was er getan hat und warum er es getan hat.

Histo-Couch: Habe Ihre Figuren etwas mit Ihnen gemeinsam?

Catharina Sundberg: Ich glaube, ich unterscheide mich nicht von vielen anderen Autoren – es ist immer dies und das von einem selbst in den diversen Figuren (- obwohl ich nicht sagen kann, ich sei Störtebeker).

Histo-Couch: Sie wechseln zwischen den Perspektiven von ein paar Figuren (Anne, Valborg, Mattis,..). Ich mochte das. Was war Ihre Intention dabei?

Catharina Sundberg: Viele. Ich wollte, dass der Leser sich mit verschiedenen Figuren identifiziert. Dann wollte ich verschiedene historische Episoden verbinden, die wirklich passiert sind. Wenn diese zum Beispiel an Bord eines Schiffes spielen, ist es gut, eine männliche Figur zu haben, die auf dem Schiff segelt. Manche Figuren, wie Alf in „Gebrandmarkt“, der einer der Anführer der Vitalienbrüder in Stockholm war, haben gelebt. Mattis ist ein unbeschwerter Charakter. Ich mag ihn als Kontrast zu all den heftigen Dingen, die passieren.

Histo-Couch: Die Freundschaft zwischen manchen Figuren wächst, wird sehr stark und übersteht Höhen und Tiefen. Was bedeutet Ihnen Freundschaft?

Catharina Sundberg: Gute Freundschaft ist sehr wichtig, sie bedeutet alles für mich.

Histo-Couch: Der Titel des ersten Buches, „Gebrandmarkt“, ist eine direkte Übersetzung, bei den folgenden Romanen unterscheiden sie sich von den schwedischen Titeln. Wie kommt das und was denken Sie darüber?

Catharina Sundberg: Deutschland und Schweden sind zwei verschiedene Länder und haben verschiedene Märkte mit individuellem Publikum. Daher denke ich, dass es gut ist, dass jedes Land seinen eigenen Titel für ein Buch wählt, einen passenden Titel für das spezifische Publikum.

Histo-Couch: Was kommt als nächstes? Dürfen wir uns auf neue Buchprojekte freuen?

Catharina Sundberg: Mein neues Buch, „Tempelbranden“ (The burning of the temple) ist vor zwei Wochen in Schweden veröffentlicht worden und ich hoffe, ihr werdet es in Deutschland auch lesen können. Es erzählt von der Wikingerzeit und dem frühen Mittelalter, als Missionare aus Hamburg und Bremen nach „Schweden“ kamen und uns dazu brachten, den Glauben an die alten Götter Odin, Thor und Freya zu verwerfen. Das ging nicht ohne Kämpfe, und was geschah mit dem Tempel von Uppsala?

Histo-Couch: Das werden wir hoffentlich bald lesen. Herzlichen Dank für das Interview!

Das Interview führte Annalena Brix.